Vorwerkstraße 9: 55 Jahre lang in einer Wohnung

In mei­ner Ahnen­for­schung beschäf­ti­ge ich mich auch mit den Wohn­or­ten mei­ner Vor­fah­ren. Der Zweck ist dahin­ter, dass ich gern wis­sen und ver­ste­hen will, wo und wie mei­ne Vor­fah­ren gelebt haben. Dazu ist es mir wich­tig, die­se frü­he­ren Wohn­or­te auf­zu­su­chen. Einer die­ser Wohn­or­te ist die Vor­werk­stra­ße 9 in Kötz­schen­bro­da (Rade­beul), wo mei­ne Urur­groß­el­tern Robert Bru­no Hum­mig und Anna Mar­tha Hum­mig geb. Wer­ner fast 55 Jah­re lang in die­ser Woh­nung leb­ten.

Die Wohn­or­te von Vor­fah­ren sind in gewis­sem Maße Zeit­zeu­gen. Ein Ahnen­for­scher ist wie ein Kri­mi­na­list, der den berüch­tigs­ten Ort des Gesche­hens auf­sucht und sich dort ein Bild vom Gesche­hen macht. In ähn­li­che Wei­se ver­hal­ten sich die Wohn­or­te der Vor­fah­ren zu mei­ner Auf­fas­sung.

Der­zeit loka­li­sie­re ich die mir bekann­ten Wohn­ort mei­ner Urur­groß­el­tern Robert Bru­no Hum­mig und Anna Mar­tha Hum­mig geb. Wer­ner. Eine die­ser Wohn­or­te ist die Vor­werk­stra­ße 9 in Kötz­schen­bro­da (Rade­beul), wel­ches mir in das Auge gesprun­gen ist.

Robert Bru­no Hum­mig und Anna Mar­tha Hum­mig geb. Wer­ner ver­lob­ten sich (amt­lich) am 14. August 1908. Zu die­ser Zeit leb­te Anna Mar­tha Hum­mig geb. Wer­ner schon in der Vor­werk­stra­ße 9, wäh­rend Robert Bru­no Hum­mig noch in der Crie­gern­stra­ße 8 (heu­te: Stra­ße des Frie­dens) leb­te.

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Nach der Pro­kla­ma­ti­on der gemein­sa­men Ehe zog Robert Bru­no Hum­mig in die Woh­nung sei­ner Ehe­frau nun ein. Bei­de Ehe­part­ner blie­ben ein Leben lang ver­hei­ra­tet, bis Robert Bru­no Hum­mig schließ­lich am 18. Nov. 1963 mit 79 Jah­ren ver­starb und die Ehe ver­wi­tet wur­de. Laut der Ster­be­ur­kun­de leb­te er noch immer in der Vor­werk­stra­ße 9.

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Von 1908–1963 – das sind fast 55 Jah­re – leb­te Robert Bru­no Hum­mig in die­ser Woh­nung. Das mag eine sehr lan­ge Zeit, aber in man­chen Ver­hält­nis­sen ist es durch­aus nor­mal. Nor­mal ist es im Fall, wenn man einen bäu­er­li­chen Hof oder ein eige­nes Fami­li­en­haus besitzt. Denn in so einem Wohn­ort kann man ein hal­bes Leben ver­brin­gen. Unge­wöhn­lich ist es jedoch für eine Leben in einer ein­fa­chen Miet­woh­nung.

Was wohl die Grün­de waren, wes­halb man ein hal­bes Leben lang an die­sem Wohn­ort leb­te? Die­se blei­ben wohl ver­bor­gen.

In den nächs­ten 25 Jah­ren zog aller­dings Anna Mar­tha Hum­mig geb. Wer­ner aus der Vor­werk­stra­ße 9 aus, denn vor ihrem Tod leb­te sie aber noch in der Prof.-Wilhelm-Ring 1, wo ihr Lebens­licht im Alter von 95 Jah­ren am 2. Jan. 1980 um 4 Uhr mor­gens für immer erlosch.

Autor: Michael Johne

Blogger, Programmierer, Astronom, Dichter, Hobby-Genealoge, Namensforscher, Sprachanalyst, Freizeit-Fotograf, Weltenträumer

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