Sterbeurkunde 23/1887 (Okollo/Schleusenau): Bernhard MACHHOLZ

Bei meiner neulichen Suche nach den MACHHOLZ in den Bromberger Adressbüchern stellte ich fest, dass der Eintrag zu Bernhard MACHHOLZ im Jahr 1887 verschwand und stattdessen im Jahr 1888 ein neuer Eintrag der Person Henriette MACHHOLZ auftrat. Ich vermutete, dass Bernhard MACHHOLZ im Jahr 1887 verstorben sein könnte. Eine Suche in den öffentlichen Standesamtakten von Schleusenau (Okollo/Okole) bei Bromberg, dem damaligen Wohnort von ihm, zeigte schnell, dass Bernhard MACHHOLZ in der Tat im Jahr 1887 verstarb.

Bernhard MACHHOLZ verstarb am 2. Februar 1887 im jungen Alter von nur 36 Jahren infolge der Krankheit Lungenschwindsucht (Tuberkulose). Er lebte bisher mit seiner Familie in armen Verhältnissen und hinterließ 5 minderjährige Kinder. Geboren wurde er am 28. Oktober 1850 in Klein Tarpen bei Graudenz und am 1. Dezember desselben Jahres noch getauft. Seine Eltern hießen Michael MACHHOLZ und Therese MACHHOLZ. (Der Name seiner Mutter Therese ist offensichtlich falsch übermittelt oder aufgeschrieben worden. In späteren Recherchen hat sich gezeigt, dass der richtige Name Henriette Mathilde MACHHOLZ geb. AUSTAEDT lautet.) Verheiratet war er mit Bertha MACHHOLZ (oo ca. 1873).

Sterbeurkunde 23/1887 (Okollo/Schleusenau): Bernhard MACHHOLZ
Sterbeurkunde 23/1887 (Okollo/Schleusenau): Bernhard MACHHOLZ

Nr. 23
Okolle, am 3. Februar 1887

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der
Persönlichkeit nach bekannt
Fleischerfrau Bertha Machholz
wohnhaft zu Schleusenau Lindenstraße 41
und zeigte an, daß ihr Ehemann der Fleischermeister
Bernhard Machholz
36 Jahr 3 Monat 5 Tage alt, evangelischer Religion,
wohnhaft zu Schleusenau
geboren zu Klein Tarpen bei Graudenz am 28.
Oktober 1850. Verheirathet gewesen mit der An-
zeigenden seit 14 Jahren
Sohn des zu Graudenz verstorbenen
Maurers Michael und Therese Machholz schon
Eheleute. Geburtsname der Mutter unbekannt.
zu Schleusenau
am zweiten Februar des Jahres
tausend acht hundert achtzig und sieben
nachmittags um fünfeinhalb Uhr
verstorben sei.

Vorgelesen, genehmigt und wegen Schreibesunkunde
mit den Handzeichen gesetzt.
xxx
Der Standesbeamte

Im Bezug darauf, dass ich eigentlich nur das genaue Sterbedatum von Bernhard MACHHOLZ suchen wollte, fand ich eine Fülle an genealogischen Informationen aus seinem Leben: Ort und Datum der Geburt, Name der Eltern mit ggf. Todesvermerk, Beruf, Wohnort, Name der Ehefrau und sogar inoffiziell Anzahl der Kinder, Krankheit und die ungefähren Lebensverhältnisse. Die damaligen Urkunden der Standesämter seit der Einführung des Standesamtswesen waren eine wahre Goldgrube gewesen, um das Leben einer Person in großen Zügen nachzuvollziehen. Je nach Gebieten im Deutschen und Preußischen Reich variierten aber auch die Vordrucke der Formulare und die Angaben von Informationen. In heutiger Zeit des 21. Jahrhunderts ist es in einigen Sachverhalten genau umgekehrt. Beispielsweise sind heutigen Sterbeurkunde nicht mehr als eine kurze, einseitige Dokumentation des Verstorbenen mit dem Angaben, wann und wo der Betroffene verstorben ist, wobei weitere zusätzliche Informationen komplett fehlen.

In der Sterbeurkunde 23/1887 von Bernhard MACHHOLZ gibt es übrigens einen Randvermerk auf der linken Randseite, der offenbar mit einem Bleistift von einer nicht genauer bekannten Person notiert wurde.

Die Randnotiz in der Sterbeurkunde 23/1887 von Bernhard MACHHOLZ
Die Randnotiz in der Sterbeurkunde 23/1887 von Bernhard MACHHOLZ

Lungenschwindsucht
arm
5 minderjährig

Was ist damit gemeint? Die Lungenschwindsucht ist offenbar die Todesursache von Bernhard MACHHOLZ und zugleich der Name einer Krankheit, die so damals genannt wurde. Heute ist dieser Name veraltet und nicht mehr in Gebrauch. Wir kennen diese Krankheit unter den heutigen Namen Tuberkulose. Der Vermerk arm deutet offenbar auf die Lebensverhältnisse von ihm und seiner Familie hin, d. h. sie lebten offenbar in armen Verhältnissen. Und der Vermerk 5 minderjährig gibt die Anzahl der Kinder an und dass diese Kinder noch minderjährig waren. Zwei Kindern von Bernhard MACHHOLZ waren mir bereits bekannt: Therese METZ geb. MACHHOLZ (verheiratet mit Carl METZ) und Richard MACHHOLZ (bekannt aus den Verlustlisten des 1. Weltkrieges). Durch meine kürzliche Suche nach den MACHHOLZ in den Bromberger Adressbüchern kann ich anhand den dortigen Einträgen nun folgende, mögliche Kinder ausfindig machen: Hermann, Otto und Max.

Im Übrigen findet man auch eine indirekte Angabe des Heiratsjahres von Bernhard MACHHOLZ und Bertha MACHHOLZ. In seiner Sterbeurkunde steht, dass er „Verheirathet gewesen mit der Anzeigenden seit 14 Jahren“ war. Die anzeigende Person war seine Ehefrau gewesen und sein Sterbejahr war 1887. 1887 minus 14 Jahre (gemäß der Angabe) ergibt, dass sie ungefähr im Jahr 1873 geheiratet haben müssen.

Interessant zu vermerken ist zudem, dass Bernhard MACHHOLZ in einer ganz anderen Stadt geboren ist, als man nahe Bromberg annehmen würde. Er wurde nämlich in Klein Tarpen (Tarpno) bei Graudenz (Grudziądz). Zu seiner Zeit war es ein Vorort von Graudenz gewesen. Heute ist es jedoch ein kleiner Stadtteil.

Fazit: Der Funde der Sterbeurkunde 23/1887 von Bernhard MACHHOLZ sich trotz des Umstandes von seinem früheren Tod im 36. Lebensjahr gelohnt. Sehr viele genealogische Informationen konnten entnommen werden. Mit diesen neuen Informationen kann über die weitere Herkunft seiner Eltern aus Graudenz und über den weiteren Lebensverlauf seiner Kinder geforscht werden.

Autor: Michael Johne

Blogger, Programmierer, Astronom, Dichter, Hobby-Genealoge, Namensforscher, Sprachanalyst, Freizeit-Fotograf, Weltenträumer

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