Kirchenbücher des Kantons Bern nun online

Webseite zu den Kirchenbüchern des Kantons Bern

Seit einigen Tagen geht die Meldung durch diverse genealogische Netzwerke herum, dass die Kirchenbücher des Kanton Berns online einsehbar sind. Folgender Beitrag gibt ein kleinen Einblick in die erfreuliche Neuigkeit.

Vorweg: Dass die Online-Bereitstellung der Kirchenbücher des Schweizer Kanton Berns für mich relevant ist, liegt daran, dass ich Vorfahren aus der Schweiz habe; genauer und namentlich: Benedikt Rothenbühler, * ca. 1533 in Rothenbühl.

Angefangen hat es offenbar alles am 12. Februar 2017 in der SGFF-L-Mailingliste, als gegen Mittag eine Mail versendet wurde, wonach die Kirchenbücher des Kanton Berns online gestellt und abrufbar seien. (Das  Kürzel SGFF steht für Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung und wird von Mitgliedern dieser Gesellschaft verwaltet.) Registriert habe ich diese Meldung ebenfalls.

Einen Tag später (am 13. Februar 2017) schrieb schließlich die schweizerische Zeitung „Der Bund“ einen Artikel, in der die Meldung aus der SGFF-L-Mailingliste schließlich der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde: Tausende von alten bernischen Kirchenbüchern im Internet. Auch meine genealogische Kollegin Anja Klein hat in ihrem Blog „Welt der Vorfahren“ einen ausführlichen, lesenswerten Beitrag mit persönlichem Blick geschrieben: Ahnenforschung in der Schweiz: Kirchenbücher aus Bern online. Es gibt jedoch indirekte Hinweise, wonach die Kirchenbücher des Kanton Berns schon frühestens seit Anfang Februar 2017 online sein durften. Entsprechende Indizien bekam ich aus der geschlossenen Facebook-Gruppe Familienforschung im Kanton Bern / Genealogy in the Canton of Berne, die u. a. auch Screenshots der betreffenden Kirchenbuchseiten zeigen, die auf das Datum 4./5. Februar 2017 datiert sind. Naja, wie dem auch sei. Es erfreut nun, dass die Kirchenbücher der Allgemeinheit zur freien Forschung und Nutzung gemacht wurde.

Bereitgestellt wurden digitalisierten Kirchenbücher des Kanton Berns vom Berner Staatsarchiv auf seiner Webseite be.ch/kirchenbuecher. Insgesamt liegen dort nun 3.577 Kirchenbücher aus 177 Kirchgemeinden zur Einsicht bereit. Angefertigt wurden die Digitalisate in den 80ziger und 90ziger Jahre. Dementsprechend ist auch die bitonale Qualität der Scans, d. h. die Qualität der Scans ist nicht die beste und meines Erachtens benötigt man schon etwas Übung, um den handgeschriebenen Text zu lesen oder den gesuchten Eintrag zu finden. Das Erfreudige an den Scans ist aber, dass sie als PDF-Dokumente bereitgestellt sind, die sich sogar ohne größere Probleme zur Offline-Nutzung downloaden bzw. abspeichern lassen.

Die Kirchenbücher umfassen eine Zeitraum von 1528 – 1875. Die frühesten Kirchenbücher begannen in einigen Kirchengemeinden bereits im Jahr 1528 (z. B. Lauperswil), jedoch nicht alle. Die meisten Kirchengemeinden mit der Niederschrift in ihren Kirchenbüchern erst viele Jahrzehnte später; in einigen Fällen sogar einige Jahrhundert später (z. B. Bernisch-Murten im Jahr 1821). Alle Kirchenbücher endeten offiziell jedoch im Jahr 1875, denn ein Jahr später – 1876 – wurde das Eidgenössischen Zivilstandsgesetz in Kraft gesetzt, welches die Aufgabe der Dokumentation von Geburt, Ehe und Tod übernahm. Intern führten einige Kirchengemeinden ihre Kirchenbücher jedoch weiter fort.

Im schweizerischen Sprachgebrauch spricht bei den Kirchenbüchern häufig von so genannten Rodeln; also genauer gesagt sind es Taufrodel, Eherodel und Sterberodel. Der allgemeine, deutsche Sprachgebrauch kennt das Wort Rodel nicht. Nur der schweizerisch-deutsche Sprachbereich kennt dieses Wort. Das Wort Rodel gibt es in zwei Bedeutungen: Schlitten und Liste. In beiden Bedeutungen liegt die Betonung des Wort auf dem ersten Vokal: Rodel. Zudem ist das Geschlecht beider Varianten gleich: maskulin. Obwohl beide Varianten grammatisch gleich geschrieben und gesprochen werden, sind sie in ihrer Bedeutung vollkommen unterschiedlich.

Der Rodel mit der Bedeutung Schlitten kennen wahrscheinlich einige noch. Man findet das Wort auch in anderen Wörtern wie Rodelbahn oder rodeln. Das Wort Rodel hat seinen Ursprung im Oberdeutschen-schweizerischen rotteln, was soviel wie rütteln und schütteln bedeutet. (Quelle: Wikipedia).

Die andere Bedeutung des Rodels im Sinne einer Liste ist eigentlich nur dem schweizerisch-deutschen Sprachbereich vorbehalten. Dort liegt die Herkunft des Worts im lateinischen rotula mit der Übersetzung als Rolle –  im Sinne einer Rolle, an der ein wichtiges Dokument befestigt und umwickelt ist. (Quelle: Duden).

Nichtsdestotrotz – und gerade auch deswegen – habe ich nach meinen frühesten Vorfahren in den nun online veröffentlichten Rodeln gesucht. Und ja, nach einer kleinen Eingewöhnungsphase bezüglich der Orientierung und Lesbarkeit der Rodel bin ich fündig geworden. Aber darüber schreibe ich das nächste Mal etwas.

Autor: Michael Johne

Blogger, Programmierer, Astronom, Dichter, Hobby-Genealoge, Namensforscher, Sprachanalyst, Freizeit-Fotograf, Weltenträumer

Kommentar verfassen