Auf der Spur meiner Vorfahren SCHRÖN aus dem Hessen-Darmstädtischen (Teil 1/2)

Vor 2–3 Jahren hat­te ich vom Heimat­forsch­er Dr. Jochen-Karl Mehldau aus sein­er Wittgen­stein­er Fam­i­lien­datei einige geneal­o­gis­che Dat­en über meine Vor­fahren aus Siegen-Wittgenstein gekauft. Ein­er dieser Vor­fahren ist Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN, die ca. 1736 in Hessen-Darmstadt geboren wurde und 1800 in Banfe bei Bad Laas­phe ver­starb. In diesem Beitrag möchte ich kurz ein paar Eck­dat­en ihres Lebens vorstellen und anhand den dig­i­tal­isierten Kirchen­buchein­tra­gun­gen auf dem Kirchen­buch­por­tal Archion die Spuren ihrer Geburt, Ehe und Tod nach­forschen, um die von Dr. Mehldau erhal­te­nen Dat­en zu ver­i­fizieren und evt. sog­ar selb­st neue Infor­ma­tio­nen zu ent­deck­en, die mir bei der Forschun­gen weit­er­helfen kön­nten. 

Von Dr. Jochen Karl Mehldau erhielt ich damals fol­gende Infor­ma­tio­nen zu meinen Vor­fahren. Bei den dahin enthal­te­nen Vor­fahren han­delt es sich um Johann Rüdi­ger (Rüdge) MARX, sein­er Ehe­frau Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN und seinem Schwiegervater Hen­rich SCHRÖN (dem Vater der Ehe­frau).

8. Marx, Rüdiger, 1735
 Johann Rüdiger
 *  Smh  -12.11.1735,  Fdg 348/6
 +  Ban  02.02.1805,  ,  Fdg 1805/15 (61)
 Kuhhirt
 &  Fdg  25.03.1760,  1760/2 (217) - Schrön, Margarete 1736
9. Schrön, Margarete, 1736
 Anna Margarete
 *  in Hessen-Darmstadt  #13.09.1736,
 +  Ban  25.02.1800,  ,  Fdg 1800/8 (38)
18. Schrön, Henrich, 1705u
          *  in Hessen-Darmstadt  ?1705, 
          +    ,  ,

Die enthal­te­nen Infor­ma­tio­nen erscheinen auf dem ersten Blick ein wenig kryp­tisch, da geneal­o­gis­che Zeichen ver­wen­det wor­den sind und die Ort­sna­men & Quellen abgekürzt wur­den. Im über­tra­ge­nen Sinne lässt sich jedoch Fol­gen­des sagen:

Johann Rüdi­ger (Rüdge) MARX wurde am 12. Novem­ber 1735 in Sass­man­nshausen getauft. Einen davor liegen­den Geburt­sein­trag gibt es nicht. Eine Geburt wurde damals in den christlichen Kirchen­büch­ern noch nicht zwin­gend verze­ich­net, weil durch die christliche Prä­gung eine Kindestaufe einen höheren Stel­len­wert als die Geburt hat­te. Johann Rüdi­ger (Rüdge) MARX ver­starb am 2. Feb­ru­ar 1805 in Banfe, wo er dort zwei Tage später am 4. Feb­ru­ar 1805 auch beerdigt wurde. Er übte den Beruf eines Kuh­hirten aus. Ver­heiratet wurde er am 25. März 1760 in Feudin­gen mit sein­er Frau Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN. Sie wurde wahrschein­lich am 13. Sep­tem­ber 1736 in Hessen-Darmstadt geboren, wobei das Geburts­da­tum ein errech­netes Datum ist (dazu später mehr). Sie ver­starb am 25. Feb­ru­ar 1800 in Banfe. Über die Kinder liegen mir keine genaueren Infor­ma­tio­nen vor, was jedoch auch nicht Gegen­stand dieses Beitrags ist und auch nicht weit­er ver­tieft wird. Der Vater Anna Mar­garete SCHRÖN war Hen­rich SCHRÖN gewe­sen, der ver­mut­lich in Hessen-Darmstadt um 1705 geboren wurde, wobei die Angaben vermutet/geschätzt sind und bish­er noch keinen genauen Beleg dafür haben.

Nach­fol­gend ein grafis­ch­er Auszug aus der Fam­i­lie um Anna Mar­garete SCHRÖN:

Familie um Anna Margarete SCHRÖN
Fam­i­lie um Anna Mar­garete SCHRÖN

Um das frühere Leben von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN rück­wirk­end darzustellen, ist es am besten, wenn man mit den wichti­gen Sta­tio­nen in ihrem Leben rück­wirk­end begin­nt. Das ist genau in dem Sinne, wie ein Ahnen­forsch­er die Lebens­dat­en ein­er ver­stor­be­nen Per­son ver­sucht zu ermit­teln: zuerst sucht er nach dem Ster­beein­trag, dann den Heirat­sein­trag und schließlich den Geburt­sein­trag. Mit jed­er gewonnenen Infor­ma­tion erhofft man sich, neue Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten. Begin­nen wir mit dem Ster­beein­trag von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN. Diesen find­et man im Kirchen­buch­por­tal Archion” unter Lan­deskirch­lich­es Archiv der Evan­ge­lis­chen Kirche von West­falen > Kirchenkreis Wittgen­stein > Feudin­gen > Beerdi­gun­gen 1836 – 1861:

Sterbeeintrag von Anna Margretha MARX (geb. SCHRÖN) im Kirchenbuch zu Feudingen des Jahres 1860
Ster­beein­trag von Anna Mar­gretha MARX (geb. SCHRÖN) im Kirchen­buch zu Feudin­gen des Jahres 1860

8/1860
Mar­garetha Marx ver­stor­ben [am] 25te Febr.

[Am] 26te Febr. ist Anna Mar­garetha des zeit­ig Hirten Rödge Marx Ehe­frau zu Laas­phe zur Erde bestat­tet wor­den.

war alt: LXIII Jahre, 5 Monate und 12 Tage

In diesem Ster­beein­trag, der strenggenom­men ein Bestat­tung­sein­trag ist, find­et man aller­lei Infor­ma­tio­nen. Neu für meine Ahnen­forschung war das Datum der Beerdi­gung, das Sterbe­da­tum hat­te ich hinge­gen schon. Aber wichtiger war die Angabe des Alters: LXIII Jahre, 5 Monate und 12 Tage. Mit dieser Angabe kann man das Geburts­da­tum von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN rech­ner­isch ermit­teln. Deshalb kam Dr. Jochen Karl Mehldau bei seinen Ermit­tlun­gen hier auf das Geburts­da­tum vom 13. Sep­tem­ber 1736.

Übri­gens: In der Alters­gabe liegt man bei der Jahreszahl LXIII. Dies ist eine römis­che Zahle­nangabe. Sie bedeute 63, wobei L= 50, X = 10 und III = 3 ist. Warum jedoch aus­gerech­net die Jahreszahl mit römis­chen Zif­fern und die Monats- bzw. Tage­sangabe mit gewohn­ter Zahldarstel­lung erfol­gte, ist nicht bekan­nt.

Die Heirat von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN und Johann Rüdi­ger (Rüdge) ist mir eben­falls bekan­nt. Sie wurde am 25. März 1760 in Feudin­gen vol­l­zo­gen und kann im Kirchen­buch­por­tal Archion” unter Lan­deskirch­lich­es Archiv der Evan­ge­lis­chen Kirche von West­falen > Kirchenkreis Wittgen­stein > Feudin­gen > Taufen 1739–1770, Trau­un­gen 1739–1794, Beerdi­gun­gen 1739–1792 gefun­den wer­den, der dann wie fol­gt aussieht:

Eheeintrag von Rüdiger MARX und Anna Margretha SCHRÖN aus dem Kirchenbuch zu Feudingen im Jahr 1760
Eheein­trag von Rüdi­ger MARX und Anna Mar­gretha SCHRÖN aus dem Kirchen­buch zu Feudin­gen im Jahr 1760

 [Am] 25ten Mar­ty hab[e]n in Banf[e] copuli[e]rt Joh. Rödge Marx, Hen­rich Marx Sohn [???] X

und

Anna Mar­gretha weyl. Hen­rich Schröns Tochter aus dem Hes­sen Darmstä[d]tischen, welche ob sie gle­ich der Lutherischen Reli­gion zugeth­an, doch ver­sprochen ihre Kinder in der Reformierten Kirche erziehen zulassen

Zu Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN erfährt man in diesem Heirat­sein­trag eben­falls neue Einzel­heit­en. So wird neben den genan­nten Vater­sname Hen­rich SCHRÖN auch der Hin­weis erbracht, dass der Vater von ihr zum Zeit­punkt der Ehe bere­its ver­stor­ben war. Dieser kleine, aber wichtige Hin­weis wird durch das Wortabkürzel weyl.” ver­rat­en. Das ist eine Abkürzung für das Wort wey­land” (auch: wei­land). Dieses Wort gibt es im heuti­gen, deutschen Sprachge­brauch gar nicht mehr, da es aus­gestor­ben ist. Es trug einst die Bedeu­tung von damals, ehe­dem, ehe­mals, einst, ein­st­mals, früher, zu Lebzeit­en, vor­mals. Im Bezug auf eine Per­son ist dieses Wort so zu ver­ste­hen, dass die Per­son zum dama­li­gen Ereig­nis bere­its ver­stor­ben war.

Ein weit­er­er, wichtiger Hin­weis der Heirat­sein­trags ist die Herkun­ft­sangabe des Vaters von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN: aus dem Hessen-Darmstädtischen. Län­gere Zeit war ich in der irri­gen Annahme, dass damit die Stadt Darm­stadt gemeint war. Bei­des klingt ähn­lich, jedoch in sein­er Bedeu­tung nicht gle­ich: Darm­stadt ist eine Stadt, Hessen-Darmstadt hinge­gen eine Land­graf­schaft.

Daher ver­suchte ich etwas Licht in die dun­kle Sache zu brin­gen und suchte im Kirchen­buch­por­tal Archion” unter Zen­tralarchiv der evan­ge­lis­chen Kirche in Hes­sen und Nas­sau > Dekanat Darmstadt-Stadt > Darm­stadt > Kon­fir­man­den­reg­is­ter 1727–1741, Trau­reg­is­ter 1727–1741, Beerdi­gungsreg­is­ter 1727–1741, Taufreg­is­ter 1727–1741 nach einen passenden Geburts- oder Taufein­trag zu Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN, der sich aus dem errech­neten Geburts­da­tum des Ster­beein­trags ergab. Lei­der fand sich kein passender Geburts- oder Taufein­trag aus dem gesucht­en Zeit­punkt, wie fol­gende bei­den Seit­en des Kirchen­buchs bele­gen, die einen Zeitraum vom 6. Sep­tem­ber 1736 bis 15. Sep­tem­ber umfassen:

Was bedeutet dies nun im Bezug auf die Herkun­ft von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN? Es bedeutet zumin­d­est, dass sie NICHT in Darm­stadt geboren/getauft wurde, wie ich es vorher dachte. Mit Hessen-Darmstadt bzw. Hessen-Darmstädtischen” wird auf das Umland der Stadt Darm­stadt ver­wiesen bzw. es wird damit konkret die Land­graf­schaft Hessen-Darmstadt beze­ich­net. Diese Land­graf­schaft war ein dama­liger Gebi­et auf hes­sis­chem Boden, als das frühe Reich von Deutsch­land noch ein regel­rechter Flick­en­tep­pich war. Fol­gende Grafik zeigt die Land­graf­schaft Hessen-Darmstadt um 1789:

Karte der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt um 1789
Karte der Land­graf­schaft Hessen-Darmstadt um 1789
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HD_1789.png; Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Statt ein­er Stadt ste­ht nun eine ganze Land­graf­schaft als mögliche Herkun­ft von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN zugrunde. Auf diesem weit­en Gebi­et gibt es viele, weit­ere Ortschaften, in dessen ver­füg­baren Kirchen­büch­ern nach ein­er möglichen Herkun­ft gesucht wer­den muss, was einen größeren Aufwand mit sich bringt.

Über die weit­ere Suche um die Herkun­ft von Anna Mar­garete (Mar­gretha) SCHRÖN berichte ich jedoch in einem späteren, weit­eren zweit­en Teil dieses Beitrags.

Autor: Michael Johne

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