Mein letz­ter Bei­trag behan­del­te die Turm­hol­län­der-Wind­müh­le in Bern­bruch bei Kamenz, die von mei­nen säch­si­schen Vor­fah­ren in frü­hem Fami­li­en­be­sitz war. Kürz­lich nun bin ich auf ein neu­es Fak­tum gesto­ßen, der mir vor­her nicht bewusst bzw. bekannt war. Es geht um eine wei­te­re Müh­le in Sach­sen, die in Besitz mei­ner Vor­fah­ren war.

Die besag­te Müh­le trägt den Eigen­na­men Neitsch­müh­le. Sie wur­de im Jahr 1749 erbaut und befin­det sich in Zeisholz. Zeisholz ist heu­te ein Orts­teil der Gemein­de Schwepnitz im Land­kreis Bau­ten des Bun­des­lan­des Sach­sen. Die­ser Orts­teil befin­det sich im ca. 250 Meter sehr nahe an der Gren­ze zum Bun­des­land Bran­den­burg, wobei der Fluss Ruh­lan­der Schwarz­was­ser gewis­ser­ma­ßen die Gren­ze zu bei­den Bun­des­län­dern dar­stellt.

Die Neitsch­müh­le war eine Säge- und Schrot­müh­le gewe­sen, die durch Was­ser ange­trie­ben wur­de. Das Was­ser floss auch einem klei­nen Sei­ten­arm des Ruh­lan­der Schwarz­was­sers in ein Sys­tem aus meh­re­ren Tei­chen hin­ein. An einem der Tei­che – den so genann­ten Neitsch­mühl­teich – fand sich die Müh­le mit ihrem Was­ser­rad. Zeit­wei­se fun­gier­te auch ein Teil der Müh­le auch als ört­li­che Schmie­de.

Die Neitsch­müh­le exis­tiert sogar heu­te noch und sie gilt heu­te als ältes­tes Gebäu­de in Zeisholz. Genau­ge­nom­men besteht die Neitsch­müh­le aus einem Wohn­ge­bäu­de, einem Wirt­schafts­ge­bäu­de und ande­ren klei­ne­ren Anbau­ten. Ihre Funk­ti­on als Müh­le hat die Neitsch­müh­le aber lei­der schon lan­ge auf­ge­ben müs­sen. Aktu­ell wird die Neitsch­müh­le u. a. als Gemein­de­ver­eins­haus und als Lösch­zug der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr genutzt.

Der Name der Neitsch­müh­le wird offen­bar einer Per­so­nen mit dem Nach­na­men NEITSCH ver­dankt, wobei (mir) bis­her noch nicht bekannt ist, ob es sich um den Namen des Erbau­ers der Müh­le han­delt oder ledig­lich um einen spä­te­ren Besit­zer die­ser Müh­le, der sie letzt­end­lich nament­lich präg­te. Der Nach­na­me NEITSCH ist übri­gens in sei­ner Bedeu­tung eine Benen­nung nach einem Ruf­na­me. Es han­delt sich um ein Patro­nym (Vaters­na­me) zu einer deut­schen Ruf­na­men­kurz­form mit dem Namen­glied alt­hoch­deutsch nīd , alt­säch­sisch nīth Feind­schaft, Hass, Neid’ zu Voll­for­men wie Neid­hard oder Neid­her. Es liegt hier ein Dimi­nu­tiv (Ver­klei­ne­rungs­form) mit dem Suf­fix -tsch vor. Ver­wand­te Namens­for­men sind NEITSCHER, NEITSCHMANN oder NEITZ.

Einer mei­ner Vor­fah­ren war nun zeit­wei­li­ger Besit­zer die­ser Müh­le gewe­sen. Es han­delt es sich um den Mül­ler­meis­ter Johann Karl Gott­lieb WEHNER. Er wur­de 10.02.1774 in Zeisholz gebo­ren und ver­starb im Alter von 79 Jah­ren am 13.11.1853 ebenda.Verheiratet war er mit Eva Regi­ne Eleo­no­re EYSSOLD/​EISELTEN. Sie wur­de 16.03.1783 in Zeisholz gebo­ren und ver­starb am 15.02.1842 im Alter von 58 Jah­ren. Die gemein­sa­me Toch­ter Johan­ne Eleo­no­ra WEHNER (* 17.04.1808 Zeisholz; ~ 20.04.1808; + 24.01.1872 Bern­bruch) war es schließ­lich gewe­sen, die den Müh­len­be­sit­zer Johann Karl Gott­lieb KNORR hei­ra­te­te, der wie­der­um die Turm­hol­län­der-Wind­müh­le in Bern­bruch bei Kamenz besaß. So schließt sich der Kreis.

Natür­lich stel­len sich auch hier eini­ge Fra­gen, was wur­de u. a. aus dem Ver­bleib der Müh­le nach dem Tod von Johann Karl Gott­lieb WEHNER wur­de. Ich den­ke und ver­mu­te, dass die Neitsch­müh­le nicht ver­erb­te, son­dern an einem ande­ren Besit­zer ver­äu­ßer­te wur­de. Falls jemand wei­te­re ergän­zen­de, his­to­ri­schen Anga­ben zur Neitsch­müh­le in Zeisholz machen kann, so wür­de ich mich freu­en, wenn man mich unter info [at] ahnen­for­schung-joh­ne [dot] de kon­tak­tiert.

Auf Wiki­pe­dia las­sen sich noch alte Auf­nah­men von der Bern­bru­cher Müh­le fin­den. Die dort ent­hal­te­nen Auf­nah­men wur­den vom Ober­lau­sit­zer Hei­mat- und Müh­len­for­scher Gün­ther RAPP (19331990) im Mai 1988 gemacht und befin­den sich heu­te als Teil des Müh­len­ar­chivs Rapp im Besit­zer der Deut­schen Foto­thek. Auf Wiki­pe­dia lie­gen die­se Foto­auf­nah­men mit Quell­ver­merk in gerin­ge­rer Auf­lö­sung in Form der Lizenz Crea­ti­ve Com­monsAttri­bu­ti­on-Sha­re Ali­ke 3.0 Ger­ma­ny“ zur Nut­zung bereit. Eini­ge die­ser Foto wur­den für die­sen Bei­trag ver­wen­det.

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