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Habe ich Vorfahren aus Frankreich?

Seit gut 1 – 2 Tagen habe nach einer Suche zu neu­en Infor­ma­tio­nen mei­ner Vor­fah­ren auf Ances­try eine wah­re Flut an neu­en Ent­de­ckun­gen und neu­en Vor­fah­ren gemacht. Dar­un­ter befin­det sich auch mei­ne 6x-Urgroß­mutter Aga­tha LISTASCHE. Ihr Nach­na­me klingt sehr unge­wöhn­lich und könn­te einen Bezug zum fran­zö­si­schen Namen l’esta­che schla­gen.

Wer war Aga­tha LISTASCHE? Es han­delt sich hier um mei­ne 6x-Urgroß­mutter, die 9 – 10 Fami­li­en­ge­nera­tio­nen vor mir in Ost­preu­ßen leb­te. Sie wur­de um 1752 gebo­ren und ver­starb am 30. Juni 1792 in Groß Wan­nagup­chen im damals exis­tie­ren­den Land­kreis Stal­lupö­nen von Ost­preu­ßen.

Groß Wannagupchen (mitte) auf der Karte KDR 100 Nr.54 Stallupönen um 1893 (Maßstab von 1:100.000)
Groß Wan­nagup­chen (mit­te) auf der Kar­te KDR 100 Nr.54 Stal­lupö­nen um 1893 (Maß­stab von 1:100.000) (Quel­le: http://wiki-de.genealogy.net/Gro%C3%9F_Wannagupchen)

Der Ster­be­ein­trag von Aga­tha LISTASCHE liest sich wie folgt:

Groß Wan­nagup­chen: Aga­tha [geschrie­ben als: Agatte/​Agutte] geb. Lis­ta­sche | katho­lisch | Ehe­frau des Los­manns Mart­hin Rein­hardt | alt 40 Jah­re | starb am hit­zi­gen Fie­ber | (gestor­ben) 30. Juni 1792

Der Ster­be­ein­trag von Aga­tha LISTASCHE aus dem Jahr 1792 als geschrie­be­ner Text
Der Sterbeeintrag von Agatha LISTASCHE aus dem Jahr 1792
Der Ster­be­ein­trag von Aga­tha LISTASCHE aus dem Jahr 1792 (Quel­le: https://​www​.ances​try​.de/​i​n​t​e​r​a​c​t​i​v​e​/​6​1​2​2​9​/​0​4​9​0​424 – 00226/​15574227)

Nach­fol­gen­des Bild zeigt einen Aus­schnitt mei­ner Abstam­mung aus­ge­hend von Carl/​Karl METZ.

Meine Abstammung zu Agatha LISTASCHE; ausgehend von Carl/Karl METZ
Mei­ne Abstam­mung zu Aga­tha LISTASCHE; aus­ge­hend von Carl/​Karl METZ

Wenn man sich den Nach­na­men LISTASCHE betrach­tet, so klingt die­ser sehr unge­wöhn­lich und ist kei­ne gän­gi­ger Nach­na­me; auch nicht zu dama­li­ger Zeit im 18. Jahr­hun­dert. Damals wur­den Nach­na­men näm­li­cher immer nach Hören und Sagen auf­ge­schrie­ben. Das heißt, es gab noch vor der Ein­füh­rung der Stan­des­äm­ter kei­ne fest­ste­hen­den Schrei­bun­gen von Nach- und Fami­li­en­na­men. Die Pro­to­kol­lie­run­gen der Gebur­ten, Tau­fen, Ehen, Todes­er­eig­nis­se und Beer­di­gun­gen wur­den immer durch einen Pfar­rer des jewei­li­gen Ortes in Büchern – den so genann­ten Kir­chen­bü­chern – aus­ge­führt. Der schreib­kun­di­ge Pfar­rer hat den Nach­na­men immer so auf­ge­schrie­ben, wie es im mit­ge­teilt wur­de bzw. wie er es ver­stand. War der Pfar­rer alter­be­dingt nicht mehr sehr gut­hö­rig gewe­sen oder nuschel­te der Gesprächs­part­ner sei­nen Nach­na­men, so ent­stand sehr eine neue Schreib­wei­se des Nach­na­mens.

Die­ser Umstand muss auch bei dem Nach­na­men LISTASCHE ein­ge­trof­fen sein. Gibt man die­sen Nach­na­men bei Goog­le oder einer ande­ren Such­ma­schi­ne ein, dann zei­gen sich so gut wie kei­ne Tref­fer, die die­sen Nach­na­men auf­wei­sen. Dies ist meist ein unmit­tel­ba­res Indiz, dass der Nach­na­me anders geschrie­ben wur­de oder gar auch einer ganz ande­rem Lan­des­re­gi­on ein­wan­der­te.

Bekannt­lich macht ja die Goog­le-Such­ma­schi­ne, wenn es bei der Suche kei­ne Tref­fer gibt, basie­rend auf der Schreib­wei­se des Such­be­griff neue Vor­schlä­ge für eine wei­te­re Suche. Alter­na­tiv zeigt auch die Goog­le-Such­ma­schi­ne ande­re Such­tref­fer­links an, die die­se ähn­li­che Such­vor­schlä­ge ent­hal­ten.

Bei mei­ner Suche nach Infor­ma­tio­nen zu den Nach­na­men LISTASCHE zeig­te mir Goog­le statt­des­sen in ande­ren Such­ergeb­nis­sen den eng­li­schen Nach­na­men Listash oder den fran­zö­si­schen Nach­na­men L’estache/​L’eustache an. Der Nach­na­me LISTASCHE war so gut wie nicht geläu­fig, jedoch Listash und L’estache/​L’eustache. Wenn man bei­de Nach­na­men inner­lich aus­spricht, dann erkennt man sehr schnell den ähn­li­chen Klang die­ser Nach­na­men. Auch ein gemein­sa­mer Ursprung wäre in die­sem Fall nahe­lie­gend. So wären LISTASCHE und das eng­li­sche Listash eine geschrie­be­ne Abwand­lung vom fran­zö­si­schen L’estache/​L’eustache.

Was bedeu­tet L’estache/​L’eustache? L’esta­che ist eigent­lich eine Neben­form von L’eu­sta­che. L’eu­sta­che ist eine Zusam­men­fü­gung aus (dem frän­zö­si­schen, männ­li­chen Arti­kel) le und eusta­che. Bei eusta­che wer­den wahr­schein­lich eini­ge ver­mu­ten, woher der Name kommt. Es ist die fran­zö­si­sche Form des Namens Eusta­chi­us (grie­chisch Ευστάθιος Efsta­thi­os, lati­ni­siert Eusta­thi­us, der Stand­fes­te“).

Wie kommt die­ser fran­zö­si­sche Name in den ost­preu­ßi­schen Raum? In den Regel sind es immer Zuwan­de­run­gen ande­rer Per­so­nen aus ande­ren Län­de­rei­en, die die­se Namen in die Regi­on ein­brin­gen. Die­se Zuwan­de­run­gen pas­sie­ren oft durch Glau­bens­ver­fol­gung oder durch Aus­wan­de­rung, um auch ein bes­se­res Leben zu hof­fen.

Im Bezug auf den fran­zö­si­schen Nach­na­men L’estache/​L’eustache mag man schnell an die Huge­not­ten den­ken, die durch ihren pro­tes­ta­ni­schen Glau­ben aus Frank­reich im 16. Jahr­hun­dert geflo­hen sind. Unter ande­rem war Preu­ßen einer der Län­der gewe­sen, in denen sich die Huge­not­ten nie­der­lie­ßen. Eine ande­re Mög­lich­keit könn­ten auch die so genann­ten Schwei­zer Kolo­nis­ten gewe­sen sein, die ab 1709 infol­ge der Gro­ße Pest von Preu­ßen (1709 – 1711) und durch die nach­fol­gen­de Repeu­plie­rung (Wie­der­be­völ­kung und Wie­der­auf­bau des Lan­des) zuwan­der­ten. Der west­li­che Teil war fran­zö­sisch geprägt gewe­sen, so dass einer der Schwei­zer Kolo­nis­ten wohl­mög­lich den Nach­na­men L’estache/​L’eustache trug.

Daher stel­le ich mir die Fra­ge: Habe ich Vor­fah­ren aus Frank­reich? Aktu­ell ich es nur eine Hypo­the­se, die durch wei­te­re kom­men­de For­schun­gen bestä­tigt oder ent­kräf­tet wer­den kann.

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